Nun bin ich seit einer Woche beim Bhumibol Damm. Mein Zimmer hier gefällt mir sehr. Das Haus, in dem ich wohne ist wie ein Hotel ohne Restaurant. Mein Bett wird jeden Tag gemacht und so weiter. Ich habe dafür keine Kochgelegenheiten. Das brauche ich aber eigentlich auch nicht, weil eine Malzeit hier im Restaurant zwischen einem und zwei Schweizer Franken kostet. Ich muss jedoch etwa zehn Minuten zum Restaurant laufen.
Auch beim Bhumibol Damm ist die Gegend wieder etwa gleich eingerichtet wie beim Vajiralongkorndamm. Der Damm ist etwa drei Kilometer vom Camp entfernt. Im Camp hat es Restaurants, Shops, einen Swimming Pool, Golf etc.
Diese Woche habe ich sogar ein Mountain Bike bekommen. Ich kann es brauchen während meiner Zeit hier. Leider ist es heute Samstag schon den ganzen Tag am regnen, dabei wollte ich die Gegend mit meinem Bike erkunden. Dafür habe ich Zeit, euch einen überlangen Bericht zu schreiben.
Nächste Woche sollte ich einen Motto-Roller bekommen. Ich habe danach gefragt, weil ich mich etwas unselbständig fühle, wenn mich täglich jemand abholen und wieder nach Hause fahren muss. Ich hoffe, das wird klappen. Wenn ich mit dem Velo zum Damm fahren müsste, wäre ich vollständig vom Schweiss durchnässt. Auch wenn ich hier weiter im Norden bin, ist das Klima immer noch sehr feucht und heiss. Grundsätzlich mag ich das Klima hier. Man hat nie kalt. Sollte man trotzdem mal frieren, kann man immer noch die Klimaanlage ausschalten. Die Thais mögen es kühl, und die Autos und geschlossene Räume sind meistens zu kühl für mich. Ich freue mich dann immer zum rausgehen oder aussteigen. Mir wurde aber gesagt, dass es die nächsten Monate durchaus kälter werden wird. Vielleicht muss ich dann trotzdem noch einen Pullover besorgen.
Bis jetzt habe ich noch keine Bezugspersonen gefunden wie Apirak und Ajaree beim Vajiralongkorndamm. Kanchit musste leider am Dienstag für Sitzungen nach Bangkok und Laos.
Mit etwas Glück kann ich auch noch nach Laos reisen. Die E.G.A.T. (mein Arbeitgeber) unterstützt die Leute von Laos, weil sie in Laos Probleme mit ihren Wasserkraftwerken haben. Allgemein habe ich das Gefühl, dass hier am Bhumibol Damm einiges mehr läuft als beim Vajiralongkorn Damm. Es ist auch das grösste Wasserkraftwerk in Südostasien. Ständig sind Besucher von anderen Kraftwerken und aus anderen Ländern hier. Trotzdem habe ich noch keinen Nicht-Asiat gesehen.
Am vergangenen Dienstag hatte ich ein peinlich-lustiges Erlebnis. Ich wurde zu einer Party eingeladen, weil ein paar Leute pensioniert wurden. Wenn in Thailand eine Party gefeiert wird, nutzen sie die Gelegenheit um Karaoke zu singen. Sie fragten mich etliche Male, ob ich auch mal singen möchte. Ich verneinte höflich. Auf einmal rief mich dann aber die Speakerin mit dem Mikrofon auf die Bühne. Da ich nicht den Buhmann spielen wollte und schon ein paar Whisky-Soda in mir hatte, folgte ich dem Aufruf und schlurfte auf die Bühne. Blöderweise hatten die nicht vor, wenigstens einen Englischen Song für mich abzuspielen, damit ich mich hinter etwas Hintergrundmusik verstecken konnte. Nein, sie erwarteten, dass ich einen Schweizer Song vortrug. Ich fasste all meinen Mut zusammen, gab eine Version von „Es Buurebüäbli maag i nöd“ zum Besten und erntete tobenden Applaus. Hoffentlich war das mein letztes Erlebnis dieser Art.
Bei der Arbeit hatte ich die Gelegenheit, ein paar Tests mitzuverfolgen. Ab Oktober werden zwei „Units“, also zwei Generatoren mit allem Zubehör einer Überholung unterzogen. Bevor dies geschieht, werden diese Anlagen nochmals gestestet und ein paar wichtige Messdaten aufgenommen. Die Überholung der beiden „Units“ ist der eigentliche Grund und Inhalt meines Praktikums hier in Thailand. Ich freue mich auf diesen Teil. Des Weiteren habe ich eine Bibliothek entdeckt mit Englischen Bücher über Elektrische Maschinen. Mithilfe dieser Bücher probierte ich mich ein wenig weiterzubilden. Ich fühlte mich dabei ins zweite Semester zurückversetzt und hatte Freude an den vielen Formeln und Zeichnungen.
Am Freitag wurde ich von Chef der Electrical Maintenance Section, mein Boss für die nächste Zeit, nach Tak gefahren. Er wohnt mit seiner Familie in der Provinzhauptstadt Tak, das ist 60 Kilometer vom Damm entfernt. Zwei Söhne und Frau. Die Söhne heissen Domm und Damm. Damm ist nach dem Bhumibol Damm benannt. Er lud mich in ein feines Restaurant ein und danach fuhren wir wieder zurück zum Damm.
Bei mir ist Samstag, 26. September 2009, Nachmittag um 3 und es hat erstmals aufgehört zu regnen heute. Ich werde nun noch etwas meine neuen Jogging-Schuhe beschmutzen oder ein paar längen im Pool schwimmen.
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