Sawadii krap
Sabeidii mei?
Das heisst soviel wie „Hallo, wie geht es dir?“
Es sind sieben Wochen vergangen seit meinem letzten Blogeintrag. Somit ist es höchste Zeit für eine weitere Ausgabe von „Lorenzo allein in Thailand“. Die Überholungsarbeiten hier beim Bhumibol Damm sind vorbei und ich habe das erste Mal seit meinem letzen Blog wieder ein Wochenende ohne Arbeit oder Ausflug. Dieser Eintrag wird warscheinlich auch mein letzter sein, da mein Praktikum in drei Wochen vorbei ist. Danach werde ich für knapp vier Wochen mit Flavia in Thailand unterwegs sein. Ich kann es kaum erwarten und beschäftige mich seit ein paar Tagen intensiv mit den Reiseplänen. Es ist noch nicht alles fix, aber ein paar Sachen habe ich schon gebucht. Eine Kostprobe um euch eifersüchtig zu machen:
Am 5. Dezember landet Flavia in Bangkok. Zuerst werden wir das Weekend in Bangkok verbringen. Dann besuchen wir zwei Tage den Bhumibol Damm, weil dieser auf dem Weg nach Chiang Mai liegt. In der Region um Chiang Mai, im Norden von Thailand, werden wir voraussichtlich Trecks in den Urwald unternehmen, mit Elefanten baden, oder Riverraften oder was sich auch immer ergibt. Das wird spontan entschieden. Wir haben eine gute Woche Zeit, bevor wir mit dem Flugzeug noch Koh Samui weiter reisen. Diese Insel im Golf von Thailand ist auch bei uns eine berühmte Feriendestination. Etwa 70 km nördlich von Samui, auf Koh Tao, werden wir einen 4-Tägigen PADI Tauchkurs besuchen und mit Walhaien, richtigen Haien, Rochen und anderen spektakulären Meeresbewohner tauchen. Danach besuchen wir noch die Hippie-Insel Koh Pha-Ngan für die Weihnachtsparty und müssen bereits wieder zurück nach Bangkok. Am 30. Dezember landen wir dann hoffentlich in der Schweiz.
Das sind in etwa die Pläne. Bis jetzt habe ich lediglich den Tauchkurs und den Flug gebucht.
Anfänglich habe ich gehofft, dass ich auch noch nach Laos und Kambodscha gehen kann. Das muss ich leider aufs nächste Mal verschieben.
Nun schreibe ich noch ein paar Zeilen zu den vergangenen sieben Wochen. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass ich nicht mehr so viele neue Erfahrungen gemacht habe wie in meinem ersten Monat in Thailand.
Ich habe bereits von der Liebe zu Karaoke erzählt, welche die Thais pflegen. Es ist für mich schon so gewöhnlich, dass es mir schwer fällt, darüber zu schreiben. Von Zeit zu Zeit gibt es Partys, bei denen es nur um Karaoke, Essen und Trinken geht. Vor einiger Zeit war ich auf so einer Party. Es waren etwa 15 Männer zugegen. Während sechs Stunden wurde ein Song nach dem anderen gesungen. Die Leute haben sich schon fast um das Mikrofon gestritten. Leider wurde mein „Nein Danke“ auch nach fünf mal nicht akzeptiert und so machte ich mich auf den erschwerlichen Weg zum Karaoke Computer um einen Song zu wählen. Es war nicht mal eine Liste vorhanden aus der ich hätte wählen können. Also habe ich einfach mal angefangen, Buchstaben einzutippen. Als ich gesehen habe, dass es Backstreet-Boys Songs gibt, hat mich dieser Gedanke so sehr amüsiert, dass ich „Show me the meaning of being lonely“ wählte. Während dem singen musste ich dann bemerken, dass ich die Tonlage nicht beherrschte und nicht mal die ganze Melodie kannte. Pech gehabt. Wenn nun in Thailand die Menschen glauben, Schweizer können nicht singen, so ist das meine Schuld. Als nächstes versuchte ich „Eternal Flame“ und „Mambo Nr. 5“. Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass man die Tonart ändern kann und ich habe sogar eine Liste mit den Songs entdeckt. Meine Favourites sind „Can’t Help Falling In Love“ von UB40, „Don’t Speak“ von No Doubt, Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ und „Yesterday“ und „Let it be“ von den Beatles.
Eine weitere Eigenheit die ich bemerkt habe betrifft den Musikgeschmack der Thai-Männer. Ich mag mich an eine Situation erinnern, als ich eines Abends mit dem Team beim wöchentlichen gemeinsamen Nachtessen war. Im Restaurant gab es ein TV der Musikvideos zeigte. Als irgendeine Superschnulze lief und ich erwartete, dass jemand umschalten würde, wurden alle still - ja beinahe andächtig - und schauten fasziniert den Clip. Am Ende waren alle ganz entzückt von dieser neuen Schnulze. So eine Situation ist bei uns schwer vorzustellen.
Die letzen Wochen war ich die grösste Zeit mit ein paar Ingenieuren im Büro. Ab und zu holten sie die Gitarre und sangen ein paar Thai Lieder. Manchmal aber auch Ronan Keatings „If you say nothing at all“. Wenn sie von ihrem Laptop Englische Musik laufen lassen, dann sind das vielmals irgendwelche Withney Houston oder Mariah Carey Songs. Einer der Lieblingstitel scheint aber Enrique Iglesias’ „Hero“ zu sein. Rock oder Rap höre ich selten.
Kurz nachdem ich das letzte Mail geschrieben habe, haben hier die Überholungsarbeiten begonnen. Dabei kamen etwa 50 Techniker und Ingenieure von verschiedensten Kraftwerken im ganzen Land zum Bhumibol Damm, um bei den Arbeiten zu helfen. Darunter auch fünf Leute aus Bhutan und vier Leute aus Laos. Die Bhutan Ingenieure konnten sehr gut Englisch, was mich ziemlich glücklich machte. Sie haben mich während vier Wochen in denen sie hier waren über die Schweiz ausgefragt. Sie wollten wissen was ich für Hobbies habe, ob es in der Schweiz Reis gibt, wann ich Heiraten werde, ob ich Ski fahre, wie schnell wir auf der Strasse fahren dürfen usw. Besonders überrascht hat mich, dass sie DJ Bobo kennen. Grundsätzlich waren es dieselben Fragen, die mich auch alle Thais fragten. Einige Fragen musste ich so oft beantworten, dass ich mir manchmal überlegte, ein Seminar über „The Life Of Lorenzo (In Switzerland)“ für alle Anwesenden abzuhalten. Trotzdem war ich sehr froh über die Bhutan Leute. Ich fühlte mich ein wenig mit ihnen verbunden, weil auch sie in einer fremden Kultur waren. Für sie war Thailand, was für Thailand die Schweiz ist: Sehr modern und entwickelt.
Während den Überholungsarbeiten gab es kein Wochenende. Die Leute arbeiteten sieben Tage die Woche, bis die Arbeiten abgeschlossen waren. Glückerweise war das in meinem Fall nicht so. Einer der Chefs organisierte ab und zu am Sonntag einen Ausflug für die Laoten, die Bhutanessen und mich. An einem Sonntag fuhren wir nach Mae Sot. Das ist eine Grenzstadt zu Myanmar. Ich fand den Ausflug nicht sehr spektakulär und habe nur eine spezielle Erinnerung ans Mittagessen: Es gab Fischmägen. Ich habe ein wenig davon probiert. Es war ziemlich „gschlüdrig“, aber sonst nicht speziell.
Eine Woche später fuhren wir für einen Tag nach Chiang Mai. Dort besichtigten wir vor allem wunderschöne Tempel und ein Shoppingcenter. Das Shoppingcenter war etwa so gross wie unser Glattzentrum. Ich ging zum Frisör.
Wenn ich nichts Besseres vorhatte ging auch ich am Samstag und Sonntag zur Arbeit. Die spannendsten Test oder spektakulärsten Arbeiten fanden jeweils an Wochenenden statt.
Diese Überzeit werde ich übernächste Woche kompensieren: Ich werde eine Woche in Hua Hin (am Meer) und in Bangkok sein. Jonas Lysser, ein Freund aus der Schweiz, wird während dieser Zeit auch in Bangkok sein. Den ersten Schweizer den ich in Thailand treffen werde.
In den letzten sieben Wochen ging ich noch ein weiteres Mal nach Bangkok zu den Studenten die ich am Anfang kennen gelernt hatte. Wir gingen zusammen in den Siam Park. Das ist wie Europa-Park, nur etwas kleiner. Wir besuchten auch China Town. Mein absoluter Lieblingsplatz in Bangkok. Es ist laut und überall hat es Leute, aber es gibt in China Town so viel sehen. Ich kam aus dem staunen nicht mehr heraus. Einen Abend verbrachten wir an der Khao San Road. Das ist der Ort, wo die meisten „Farang“, das heisst die meisten Weissen zugegen sind. „Farang“ kommt von France. Die Franzosen waren die ersten die vergeblich versuchten, Thailand zu kolonialisieren. Ich war dabei erstaunt, wie viel von Thailand an dieser kleinen Strasse zu entdecken ist. Es gibt grillierte Insekten, Frauen mit traditionellen Kleidern aus dem Norden, viele Marktstände mit Thai-Food und sogar ein junger Elefant lief durch diese Strasse. Was mich vielmehr angeekelt hat als die frittierten Insekten waren die Ladyboys, die in viel zu grosser Anzahl die Strassen auf und ab gingen. Sie sind jedoch Teil der Kultur und gesellschaftlich nicht ausgeschlossen wie ich das vermutet hätte. Wenn man nur ganz wenig Zeit hat in Bangkok, sollte man unbedingt an die Khao San Road. Das einzige was dort aber nicht typisch ist, sind die Thais selber. Sie sind müde von den „dummen“ Touristen, welche betrunken und/oder mit einer Nutte im Arm durch die Strassen ziehen und sich benehmen wie Idioten. Die Leute ausserhalb Central-Bangkoks sind in der Regel freundlicher.
Ich war ziemlich traurig als ich wieder Abschied nehmen musste von meinen Freunden in Bangkok. Hier beim Damm konnte ich leider keine so guten Freundschaften schliessen.
Nur eine Woche später ging ich wieder mit der Bangkok-Crew auf einen Trip nach Lampang und Sukhothai. Das ist alles ziemlich nahe bei meinem Damm. Wir waren ganze zwölf Leute und hatten einen Mini-Van mit Fahrer für drei Tage.
In Lampang konnten wir bei Fon übernachten. Das ist eine der Studentinnen. Ich war erstaunt über das schöne und grosse Anwesen, das ihre Eltern besitzen. Obwohl weder Vater noch Mutter einen besonderen Job haben, ist ihr Haus sehr grosszügig und schön. In der Schweiz würde es bestimmt ein paar Millionen kosten. Lampang selbst ist eine schöne kleine Stadt mit hübschem Nachtbazaar und vielen Pferdekutschen.
Den zweiten und dritten Tag verbrachten wir in Uis Haus in Sukhothai. Sukhothai ist berühmt für verschiedene Sachen, da die Stadt vor ein paar Hundert Jahren die Hauptstadt war. Es gibt wunderschöne Tempel-Ruinen. Die Stadt ist aber auch berühmt für schöne Textilien, Silber- und Goldschmuck und das Loi Krathong Festival. Das Loi Krathong Festival war auch der Hauptgrund für unseren Besuch. Das Festival ist dazu da, kleine oder grosse „Krathong“, das sind Schiffe aus Bananenblättern, mit Kerzen zu bestücken und auf einem Teich oder Fluss schwimmen zu lassen. Damit wird der Gott des Wassers geehrt. Schlussendlich ist es einfach eine riesige Party, die bei den Tempelruinen stattfindet. Die Ruinen sind wunderschön beleuchtet und es gibt Feuerwerk und traditionellen Thai-Tanz.
Während ich mein verlängertes Wochenende in Lampang und Sukhothai verbrachte, verpasste ich leider etwas beim Damm: Eine Prinzessin kam auf Besuch und ich hätte die Möglichkeit gehabt sie zu sehen, und damit ein wenig „Königlichkeit“ zu erfahren. Als Schweizer kann man es sich überhaupt nicht vorstellen, was es heisst, einen König zu haben. Was mich erstaunte war der Aufwand der betrieben wurde. Mein Zimmer befindet sich in einem Haus neben der königlichen Residenz. Es gibt nur eine Zufahrtstrasse. Damit nun alles für das Prinzesschen eingerichtet werden konnte, wurden ich und etwa 30 andere in ein anderes Gästehaus umgesiedelt. Eine halbe Woche bevor die Prinzessin eintraf. Danach wurde alles hergerichtet, damit die Umgebung auch perfekt aussieht: Die Strasse wurde mit Fahnen gesäumt, die Bäume mit Lichterketten dekoriert, die Parkplatzlinien mit neuer Farbe nachgezogen, neue Blumen gepflanzt usw. Der Teich im Park wurde abgepumpt, gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt. Alles nur für eine Prinzessin, welche die dritte Ehefrau des unbeliebten Kronprinzen Maha Vajiralongkorn ist. Natürlich darf niemand sagen, dass Vajiralongkorn unbeliebt ist, aber ich habe das ein wenig aus den Antworten der Leute herausgespürt, mit denen ich gesprochen habe. Nun bin ich wieder im gleichen Haus, aber in einem anderen Zimmer.
Letzte Woche, als die Überholungsarbeiten beendet wurden hatte ich die Gelegenheit, das Damm Reservoir auf einem Schiff zu besichtigen. Es war ein tolles Erlebnis und ich konnte ein paar hübsche Fotos machen. Wir besuchten eine kleine Insel auf der ein winziges Kloster platziert ist. Von da aus hatte man einen wunderschönen Blick über einen Teil des Stausees.
Nach diesem Event reisten viele der Leute ab, die während des letzen Monats hier waren. Leider auch viele Ingenieure, die ein wenig Englisch sprachen. Im Moment ist es hier ziemlich ausgestorben und darum habe ich auch Zeit zum schreiben.
Nun werde ich noch ein paar Worte zu meiner Arbeit hier schreiben. Ich kann nicht verleugnen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Die letzten zehn Wochen war ich hier vor allem Beobachter. Ich habe sehr viel gesehen, gelernt, gerechnet etc. Jedoch war ich nicht richtig integriert und hatte keine feste Aufgabe. Ich werde das in meinem Bericht den ich am Ende abgeben werde erwähnen. Auch den grossen Abstand zu Bangkok habe ich unterschätzt. Hier beim Damm gibt’s es fast keine Leute in meinem Alter mit Englischkentnissen. In Bangkok gibt es noch ganz viele andere Praktikanten aus Europa. Ein wenig mehr Austausch hätte mich ab und zu glücklicher gemacht.
So, nun habe ich wieder einiges mehr geschrieben als ich ursprünglich wollte.
Ich wünsche euch eine gute Zeit, trotz kaltem Wetter.
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