Samstag, 26. September 2009

Erste Woche

07.09.2009 - 11.09.2009
Arbeit
Die ersten beiden Wochen habe ich eine prima Einführung in die thailändische Arbeits- und Lebenskultur erhalten. Die meisten Leute hier beginnen ihre Arbeit um 08:00 Uhr am Morgen und haben um 16:00 Uhr Feierabend. Es werden 7 Stunden pro Tag gearbeitet.

Ich wurde jeweils um 08:00 Uhr abgeholt und mein Betreuer Sarun und ich fuhren zum Morgenessen ins Restaurant. Es brauchte ein paar Tage, bis ich mich an Reis mit Gemüse oder Fleisch zum „Zmorge“ gewöhnen konnte. Ich schaue jeweils, dass ich zu dieser Tageszeit noch nichts Scharfes auf meinen Teller bekomme.

Nach dem Frühstück fuhren wir jeweils ins Kraftwerk beim Damm. Es gab in den ersten beiden Wochen für mich nichts aktiv zu tun. Ich schaute den Leuten beim arbeiten zu und stellte Fragen. (Eigentlich stelle ich mir so das Leben eines Ingenieurs vor). Glücklicherweise habe ich mich nicht schon im Studium auf Leistungselektronik spezialisiert, sonst wäre es mir wohl sehr schnell langweilig geworden. Sarun gab mir ein Buch in Englisch, welches mir eine Übersicht über den ganzen Damm gab. Weil meine Fragen oft nicht verstanden wurden oder ich die Antworten nicht verstehen konnte war ich sehr froh um das Buch. Es beantwortete vieler meiner Fragen.

Wenn mal gerade nichts los war konnte ich mein Notebook gebrauchen. Ich nützte diese Zeit um Mails zu schreiben und meine Fachkenntnisse mit Wikipedia zu erweitern oder aufzufrischen. Mein Mac-Book ist hier übrigens eine Sensation. Endlich bekommt es die Aufmerksamkeit, die ihm gebührtJ.

Während meines Aufenthalts bei Vajiralongkorn Damm hatte ich auch die Möglichkeit etwas herumzureisen. Einmal fuhren wir zu einem anderen Damm, der sich gerade im Umbau befindet. Dort hatte ich die Gelegenheit ein Kraftwerk mit Generator und Turbinen „von Innen“ anzusehen. Das mag jetzt für euch sehr langweilig klingen. Für mich war es ziemlich beeindruckend. Ein anderes Mal fuhren wir zu einem Mini Kraftwerk. Auf dem Weg dorthin sahen wir einen Zwei-Meter Waran. Zuerst habe ich gedacht es handle sich um ein junges Krokodil, das etwas komisch aussieht. Natürlich hatte ich grosse Freude an diesem Riesen-Gecko. Am selben Tag habe ich dann noch etwas mehr über die thailändische Arbeitsmentalität erfahren. Wegen starkem Regen fiel die Spannungsversorgung im Minikraftwerk aus. Wir mussten unsere Arbeit abbrechen und fuhren zurück. Auf dem Rückweg wurde auch der Grund für den „Stromausfall“ ersichtlich. Ein Ast eines Bambus-Baums schloss zwei Leitungen des Strommasts kurz. Der Ast brannte friedlich vor sich hin während ich die anderen Leute im Auto schockiert fragte, ob sie den nichts unternehmen wollten. Sie lachten und sagten, dass eine andere Behörde für die dieses Stromnetz zuständig wäre. Wir fuhren weiter.

Bei der Arbeit gab es nicht allzu viele Highlights, weil das Kraftwerk im normalen Betrieb arbeitete. Es wird erst spannend, wenn irgendwas renoviert wird oder ein Unfall passiert. Natürlich war ich froh, dass kein Unfall passierte. Die interessantesten Ereignisse waren die Besichtigungen. Einmal machten wir eine Tour durch den Damm und prüften die Pumpen. Im Damm drinnen hat es viele Kilometer Tunnels und ich war froh, dass ich nach zwei Stunden wieder Heil aus diesem Labyrinth heraus kam. Wäre ich allein gewesen, würde man wohl in ein paar Jahren mein Skelett finden.


Freizeit
Die eigentlichen Höhepunkte meiner Zeit beim Vajiralongkorn Damm ereigneten sich nach der Arbeit. Ich habe möglicherweise schon im letzten Mail erwähnt, wie es um die Gastfreundschaft der Thais steht. Sie ist unschlagbar. Es verging in der ersten Woche kein Abend, den ich alleine verbringen musste. Darüber war ich froh, denn sobald ich am Abend alleine war, fühlte ich mich nicht mehr so richtig wohl und spürte, dass ich weit von Zuhause entfernt war.

Am ersten Abend machte ich mich selbst auf den Weg zum Restaurant. Dort traf ich Ajaree, die Sekretärin des Direktors, eine der wenigen mit guten Englischkentnisse. Sie erkannte meine Not und war darum bemüht, mir ein paar Jungs zu suchen. Den Abend verbrachte ich dann mehrheitlich mit Ajaree und Tom, einem Mechaniker der zwar fast kein Englisch konnte, sich aber herzlich darum bemühte.

Es war eine ziemlich lustige Kommunikation die wir da zusammen führten. Ich habe den wertvollen Tipp bekommen, immer Stift und Papier bei mir zu haben, damit man die Sachen aufschreiben kann die man sagen will. Vielmals haben die Thais die mal an einer Uni waren, einen ziemlich grossen Wortschatz. Die Aussprache ist einfach so miserabel, dass man nahezu nichts versteht. So müssen sie mir halt teilweise ein paar Stichwörter aufschreiben, damit ich sehe, was gemeint ist. Dabei probiere ich auch immer wieder ein paar neue Thai-Wörter, oder die komplizierten Namen meiner Mitmenschen zu notieren. Mein Thai-Vokabular wird stetig grösser. Ich kann aber keine ganzen Sätze sprechen. Nur einzelne Wörter wie „Hunger“, „scharf“, „Hallo“ etc. Das Wichtigste eben. Die Schrift probiere ich aber gar nicht erst zu lernen. 44 Konsonanten und über 16 Vokale sind mir zu viel.

Am zweiten Abend wurde ich von Apirak, dem Chef-Ingenieur und Ajaree abgeholt. Ajaree war sozusagen die Dolmetscherin, weil Apirak kein Wort Englisch mehr gesprochen hat seit dem Studium. Wir gingen in ein wunderbares Restaurant Namens „Bamboo Hut“ im Dschungel. Nach dem vorzüglichen Essen besuchten wir noch die heissen Quellen von Hin Dad. Ich habe dabei an ein Thermalbad gedacht. Das war es in gewisser Weise auch. Nur viel romantischer als wir uns das gewöhnt sind. Zwei heisse Pools mitten im Dschungel, an einem reissenden Fluss bildeten das Bad. Die Becken waren aus natürlichem Stein und das Wasser darin so heiss, dass ich mich eine ganze Weile anklimatisieren musste bis ich mich wohl fühlte.

Am dritten Abend holte mich Jab ab, ein junger Ingenieur. Wir gingen zu seinen Kollegen und spielten Fifa auf der PS2. Leider habe ich verloren.

Am vierten Abend holte mich Tom ab und wir fuhren zur Driving Range. Es war das erste Mal, dass ich einen Golfschläger in der Hand hatte. Aber es machte mir Spass. Ein Hobby, welches ich mir in der Schweiz auch angewöhnen könnte... wenn ich pensioniert bin.
Am Freitagabend waren dann nicht mehr viele Leute anzutreffen. Normalerweise wird hier von Montag bis Freitagmittag gearbeitet. Danach machen sich alle auf den Heimweg zu ihren Familien. Ein Grossteil Teil der Angestellten wohnt in Bangkok. Der Bus braucht fünf Stunden bis dorthin. Ich blieb jedoch auf dem Areal, weil Ajaree und Apirak mit mir Ausflüge nach Myanmar und Kanchanaburi planten.

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